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Die Zukunft der Veranstaltungen

von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Mobil und digital sind die Prognosen für die Zukunft. Verschiedenste Studien belegen jährlich steigende Zahlen in Bezug auf die Nutzung mobiler und digitaler Endgeräte und die Verweildauer im World Wide Web.

Die Digitalisierung macht auch vor der Sicherheitsbranche keinen Halt und wird diese zukünftig verstärkt beeinflussen, sowohl unterstützend, als auch analysierend. Das Team der antavi GmbH geht mit einem Projekt aus dem Sektor Veranstaltungssicherheit beispielhaft voran. Auf dem Schweizer „Züri-Fäscht“ brachte das junge Unternehmen eine Anwendung auf den Markt, die Veranstalter und Sicherheitsmitarbeiter unter anderem bei der Messung von Besucherströmen unterstützt.

Als App-Entwickler verschaffen wir uns gern einen Überblick über andere digitale Projekte, speziell aus der eigenen Branche, und haben deshalb mit den Entwicklern über den Hintergrund ihrer Idee, die genauen Inhalte und die Zukunft der Veranstaltungssicherheit gesprochen.

Draufsicht auf Person, die Smartphone in der Hand hält, zu sehen sind darauf die Hotspots auf einem Event
Die antavi Einsatz-Plattform

Hintergrund und Entwicklung

Die Idee zur zukunftsweisenden Anwendungssoftware entstand im Rahmen eines EU-Forschungsprojektes (Socionical), die digitale Entwicklung und Umsetzung geschah dann zusammen mit mehreren Partnern.

Im Jahr 2013 übernahm Ulf Blanke, Mitgründer der antavi GmbH, das Crowdsensing-Projekt an der ETH Zürich und brachte es 2013 auf das Großevent „Züri Fäscht“. Zu der Zeit galt es, den Veranstalter zunächst von der digitalen Idee und den Vorteilen für die Sicherheitsmitarbeiter zu überzeugen, was auf der Veranstaltung auch mehr als gelang. Aus diesem Grund kam es im vergangenen Jahr erneut zum Einsatz auf dem Schweizer Volksfest.

Das Züri Fäscht findet nur alle 3 Jahre statt, weshalb die beiden Folgejahre sich um Analyse und Optimierung der digitalen Anwendung drehten. „Nach der erfolgreichen Premiere im Jahr 2013 im Rahmen eines Forschungsprojektes an der ETH Zürich und dem super Feedback aus der Industrie haben wir 2015 die antavi GmbH gegründet, um die digitale Technologie zukünftig auf dem Markt der Festivals und Konzerte zu etablieren“, so Mitgründer des Unternehmens und Experte in mobiler Sensorik und Datenanalyse Sebastian Feese. „2013 und 2014 haben wir vorwiegend mit der Analyse der Züri Fäscht-Daten verbracht und mit vielen Vertretern der Event- und Festivalbranche sowie Sicherheitsmitarbeitern gesprochen, um die Bedürfnisse und Einsatzgebiete der App-basierten Besucherstrommessung genau zu verstehen.“

Die Funktionen der antavi Einsatz-Plattform

Die digitale Applikation hat das Ziel mehrere Aspekte im Crowd-Management von Konzerten und Großveranstaltungen zukünftig zu verbessern:

  • Taktische Kommunikation (Sicherheitsmitarbeiter, Veranstalter) zur schnelleren und einfacheren digitalen Übertragung von Informationen.
  • Situationsbewusstsein zur besseren Übersicht von Einheiten als auch Besuchern des Konzerts.
  • Verhaltensmessung zur automatischen digitalen Erfassung und Warnung vor Anomalien.

Mit ihren Funktionen wird die digitale Plattform somit relevant für das Sicherheitsmitarbeiter- und Crowd-Management der Veranstaltung, die Polizei, aber auch für die Besucher selbst. Den Sicherheitsmitarbeitern wird während der Veranstaltung eine multimediale und digitale Kommunikation durch unterschiedliche Chats ermöglicht, so lässt sich auch anhand von Fotos, Dokumenten oder Karten effizient miteinander kommunizieren. Die Besucherstrommessung für das Crowd-Management wird direkt digital in die Besucher-App der Veranstaltung integriert und analysiert in Echtzeit die Besucherdichten, Bewegungsrichtung, Geschwindigkeiten und Hotspots. Die Dokumentation erfolgt automatisch.

Grafik-Banner zu den Funktionen der Antavi-App
Funktionen der Antavi-App
Grafik-Banner zu Besucherstromanalyse und Hotspot Analyse
Besucherstromanalyse und Hotspot Analyse

Mittels öffentlicher Bildschirme werden außerdem die Besucher und Sicherheitsmitarbeiter vor Ort in Echtzeit über Hot-Spots informiert. Ein Schritt in die digitale Zukunft der Veranstaltungssicherheit.

Öffentliche Bildschirme, die aktuelle Hot Spots anzeigen
Besucher des Züri Fäscht wurden mittels öffentlicher Bildschirme über aktuelle Hot Spots informiert

Beispiel Züri Fäscht

Mit etwa 2 Millionen Besucher zählt das Züri Fäscht zu einem der größten städtischen Volksfeste Europas. Ein Fest solchen Ausmaßes bedeutet nicht nur im Vorfeld viel Arbeit. Somit ein perfekter Einsatzbereich für das digitale antavi-Projekt. Folgende zukunftsweisende Funktionen kamen zum Einsatz:

Belegungsanzeige

In der digitalen Besucher-App und auf sechs Großbildschirmen wurde die Belegung einzelner Festzonen angezeigt. So konnte der Besucher sich entscheiden, ob er sich ins Gedränge stürzt oder lieber auf den Nebenplätzen das Fest genießt. Moderiert wurde die Belegungsanzeige von der Fachstelle Crowd-Management der Stadtpolizei Zürich. Praktisch auch für die Sicherheitsmitarbeiter

Besucherstrommessung

Alle Benutzer der digitalen App konnten auf freiwilliger Basis zustimmen Ihre Positionsdaten in anonymisierter Form für die Belegungsanzeige und das Crowd-Management zu teilen. Auf diese Weise konnten die Besucher auch die Fest-Abzeichen sammeln, welche je nach Ort und Zeit vergeben wurden und so wurde der Benutzer spielerisch animiert seine Position zu teilen.

CrowdSpotter

Zusätzlich zur Besucherstrommessung wurden während des gesamten Festes sogenannte CrowdSpotter eingesetzt. Die Aufgabe der CrowdSpotter war es, mittels Sicherheitsmitarbeiter-App regelmäßig digital Meldungen über die aktuelle Besucherdichte mit Tendenz abzugeben und bei Bedarf mit Fotos der Situation vor Ort zu ergänzen.

App Push-Nachrichten

Je nach Ereignis wurden verschiedene Kommunikationskanäle für die Benachrichtigung der Besucher vorgesehen, neben der Durchsage über die Beschallungsanlage an die Besucher war die Benachrichtigung via digitaler Push-Nachrichten fest für das Sicherheitskonzept eingeplant. Zum Einsatz kamen die Push-Nachrichten während des Festes und kurz nach den Feuerwerken, um die Besucher noch zum Verweilen einzuladen und zu verhindern, dass allzu viele Besucher auf einmal über die Bahnhöfe die Veranstaltung verlassen.

Festival Barometer

Teil der Besucher-App war auch das Festival Barometer. Dieses zeigte während der Veranstaltung digital den aktuellen Bewegungsdrang der Besucher an. Basierend auf den Bewegungsdaten wurde dabei erkannt, ob der Besucher gerade aktiv am Tanzen war, über das Festival schlenderte oder an einem Ort verweilte.

Live Hotspot Analyse

Anhand der Positionsdaten der App-Benutzer wird die Besucherdichte digital berechnet und als Heatmap auf einer Karte dargestellt. Im Live-Einsatz wurden so Hotspots der Veranstaltung schnell erkannt und Stellen höherer Besucherdichte identifiziert. Auf diese Weise konnte auch schnell auf unerwartete Hotspots reagiert werden. Die Dichte-Karte erlaubte es effizient Einheiten nach Bedarf zu disponieren und im Schichtwechsel die aktuelle Situation zu erfassen. Eine praktische Funktion für die Zukunft.

Besucherstrom Analyse

Nach dem Fest ergaben die gesammelten Daten eine genaue Analyse der Besucherströme über das gesamte Festivalgelände. Mit Hilfe mehrerer Dichte- und Geschwindigkeitskarten wurden Hauptrouten und Vorzugsrichtungen der Veranstaltung schnell ersichtlich sowie Bereiche mit vorwiegend stehenden Besuchern identifiziert. Ebenso können Besucherzu- und abströme über die Zeit digital dargestellt werden und das dynamische Geschehen im Video nachverfolgt werden.

Positive Resonanz

Das Feedback seitens Crowd-Management, Sicherheitsmitarbeiter und Polizei nach der Veranstaltung war durchweg positiv. Geschäftsführer Sebastian Feese fasst zusammen: „Insbesondere anhand der Dichtekarten und Videovisualisierungen wurden Hotspots und Personenflüsse auf dem gesamten Festivalgelände systematisch beurteilt. Das hatte einen bedeutenden Einfluss auf die Festgestaltung 2016, zu dem das Festareal an mehreren Stellen ausgedünnt bzw. verlängert wurde.“

Antavis Lösungen werden mittlerweile auf allen Großveranstaltungen und Festivals in Zürich eingesetzt, z. B. Sächseleuten, Streetparade, Caliente sowie auf dem Luzerner Fest. Seit der Markteinführung erhält das Unternehmen mehr und mehr internationale Anfragen von Veranstaltern und Sicherheitsfirmen, was positiv in die Zukunft blicken lässt. Dieses Jahr wird das Projekt erstmals auf einer weiteren sehr bekannten Großveranstaltung eingesetzt: dem Münchner Oktoberfest. Dazu gehört auch eine neue Funktion: „Seit einigen Wochen bieten wir eine App-basierte Command-und-Control-Plattform, die es ermöglicht, einfach und schnell mit Sicherheitsmitarbeitern digital im Feld zu kommunizieren und die gesamte Lage der Veranstaltung auf einen Blick zu sehen“.

Digitale Zukunft

Bereits im Juni gaben wir in einer News-Meldung einen kurzen Einblick zur antavi-App und zum Schritt des Veranstaltungsbereichs ins mobile Zeitalter. Auch Feese sieht, unabhängig von der Veranstaltungs- und Sicherheitsbranche, die zukünftige Digitalisierung als einen entscheidenden Faktor, um langfristig erfolgreich zu sein. „Ich denke, in dem Bereich der Eventsicherheit werden zukünftig generell mehr digitale Tools zur Planung, Durchführung und Nachbesprechung eingesetzt werden.“

 

© Bilder: antavi GmbH

 

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